Sonntag, 18. Juni 2017

Die Märchenspinnerei - "Im Bann der zertanzten Schuhe" - Zitateschnipsel

Huhu ihr Lieben,

heute habe ich nochmals eine kleine Zusammenfassung
der einzelnen Zitate-Schnipsel zu jedem Kapitel aus
"Im Bann der zertanzten Schuhe" von Janna Ruth!
 
 
Es stammt je ein Zitat aus einem der 13 Kapitel der Geschichte...


Immer wieder glitt sein Blick zu der prächtigen Dekoration und entdeckte Detail um Detail. Was er für Blätter auf einem silbernen Zweig gehalten hatte, entpuppte sich plötzlich als ein Schwarm Schmetterlinge mit ebenso metallenen Flügeln. Als sie sich in die Luft erhoben, sprossen aus dem kahlen Zweig im Nu neue Blätter. Ein Kolibri mit goldenen Flügeln schwirrte von Blüte zu Blüte und sog ihren Nektar. Dort, wo der Nektar auf den Boden tropfte, bildeten sich neue filigrane Geflechte. Sie waren so zart, dass sie schon unter der leichtesten Berührung von Jonas' Fingerspitzen nachgaben.
 
 
«Das DeModie ist nichts anderes als die Unterwelt. Wunderbarer Ort der Träume und Wünsche und letzter Halt der verlorenen Seelen.» 
 
 
«Ich habe das Gefühl, als wäre ich aus dem Krieg als jemand anderes heimgekommen. Als wäre ich nicht mehr der Jonas, den sie kennen.» 
 
 
«Aber bald kommt der Schnee und der taucht die Welt in ein weißes Kleid, das fast an die Schönheit hier drinnen herankommt. Zumindest, wenn er frisch ist.» Es hatte geschneit, als sie ihre Mutter zu Grabe getragen hatten.
 
 
Ein flüchtiger Blick über Sophies Schulter ließ Jonas fast das Blut in den Adern gefrieren, so kalt sahen ihn Tomas' blaue Augen an. Er hatte diesen Blick schon einmal gesehen; in den Augen derjenigen, die alles im Krieg verloren hatten. Einschließlich ihrer Menschlichkeit.
 
 
«Weil du mir wichtig bist, Sophie. Und weil ich sehe, wie du dich jede Nacht kaputt machst. Deine Füße tun weh. Du schläfst den ganzen Tag. Dein ganzes Leben besteht nur noch aus dem Tanzen im DeModie. Merkst du denn nicht, dass du genauso verflucht bist wie er?»
 
 
 
In diesem Moment verliebte er sich erneut in jede winzige Kleinigkeit. In ihre funkelnden Augen. In die kleinen Grübchen. In den Schnee in ihren Haaren. Aber am allermeisten in ihr Lachen. 
 
 
Sie überlegte kurz, ob sie sie ausziehen sollte, aber dafür fühlten sie sich zu gut an. Nicht so hart und unnachgiebig wie die Neuen, die auf jede wunde Stelle drückten. Diese Schuhe hatten dieselben Macken wie sie. Sie gehörten zu ihr. 
 
 
Jonas konnte ihn nur entsetzt anstarren. Seiner Erfahrung nach hatten sie so viele im Stich gelassen. Vielleicht keinen Soldaten, aber Zivilisten. Unzählige Frauen und Kinder mit leeren Händen und großen Augen. Schließlich wisperte er: «Ich brauche nicht zurückkehren. Ich bin niemals heimgekommen.» 
 
 
Es gab nichts, was Sophie noch sagen oder tun konnte. Selbst, wenn sie es über sich gebracht hätte, ihn im Stich zu lassen, ihre Schuhe hätten sie ja doch immer wieder zurück ins DeModie getragen. 
 
 
Mit einem Mal war er aufgesprungen und rannte. Rannte, wie er noch nie in seinem Leben gerannt war. Rannte, bis ihm die Lungen brannten, in der wilden Hoffnung, dass es noch nicht zu spät war. 
 
 
Jonas kannte sie wie kein anderer. Vom ersten Tag an hatte er geradewegs hinter ihre Fassade gesehen, ihren Schmerz zu seinem gemacht und versucht zu richten, was sie nicht richten wollte. 
 
 
Wie ein leichter Sommerregen fielen die ersten Töne in ihren Schoß und ein leichtes Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. Sie war daheim.



 
"Im Bann der zertanzten Schuhe" - Janna Ruth

Ein verborgener Hain
Ein verfluchter Prinz
Ein Paar zertanzter Schuhe 
 
Vor zwei Jahren ist Jonas aus dem Krieg heimgekehrt und doch scheint es, als wäre er nie zuhause angekommen. Ziellos durch die Straßen schweifend, trifft er einen alten Mann, der ihm von den Wundern des DeModie erzählt, einem verwunschenen Reich im Herzen des Nachtlebens. Unzählige Reichtümer und Schätze erwarten ihn dort, doch, was Jonas wirklich verzaubert, ist die lebensfrohe Tänzerin Sophie, die ihn mit ihrem Lachen ansteckt. Jede Nacht tanzt Sophie mit ihrem Prinzen und jede Nacht zerreißen ihre Schuhe ein klein wenig mehr, und mit ihnen das Geheimnis, welches das DeModie und seine Bewohner umgibt. 
 
Die zertanzten Schuhe mal anders. Im Bann eines verzauberten Tanzes spinnt die Autorin Janna Ruth märchenhafte Elemente der Brüder Grimm zu einer modernen Fabel über das glitzernde Nachtleben, zerbrochene Träume und verlorene Seelen. 
 
5. Band der Märchenspinnerei
 
   

Ganz liebe Grüße
eure Elchi

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