[REZENSION] "Ein ganzes halbes Jahr" von Jojo Moyes

Elchi | Sonntag, 21. Juli 2013 |
Autorin: Jojo Moyes
Taschenbuch: 512 Seiten
Verlag: rororo (März 2013)
Genre: Roman
Originaltitel: Me before You
deutscher Titel: Ein ganzes halbes Jahr
ISBN-10: 3499267039
ISBN-13: 978-3499267031
Preis: € 14,99 [D] / € 15,50 [A]

Teil einer Reihe? Nein

www.rororor.de





Inhaltsangabe: (Quelle: Verlagsseite)

Lou & Will.

Louisa Clark weiß, dass nicht viele in ihrer Heimatstadt ihren etwas schrägen Modegeschmack teilen. Sie weiß, dass sie gerne in dem kleinen Café arbeitet und dass sie ihren Freund Patrick eigentlich nicht liebt.
Sie weiß nicht, dass sie schon bald ihren Job verlieren wird – und wie tief das Loch ist, in das sie dann fällt.

Will Traynor weiß, dass es nie wieder so sein wird wie vor dem Unfall. Und er weiß, dass er dieses neue Leben nicht führen will.
Er weiß nicht, dass er schon bald Lou begegnen wird.

Eine Frau und ein Mann.
Eine Liebesgeschichte, anders als alle anderen.
Die Liebesgeschichte von Lou und Will.


Vorsicht könnte Spoiler enthalten und Taschentuch-Alarm! 

Meine Meinung:

„Ein ganzes halbes Jahr“ von Jojo Moyes ist eine herzergreifende, sehr bewegende und außergewöhnliche Liebesgeschichte, die den Leser zum Nachdenken anregt und u.a. gewaltige Emotionen hervorrufen kann.

Der Schreibstil der Autorin ist einfühlsam und mit einer derartigen Tiefgründigkeit gespickt, dass der Leser sofort in den Bann gezogen wird. Zugleich jedoch konfrontiert sie uns mit der grausamen Wahrheit.

Habt ihr schon einmal darüber nachgedacht, wie schnell ein Mensch aus seinem normalen Leben und Umfeld gerissen werden kann? Wie schwer es Rollstuhlfahrer auch noch in unserer heutigen Gesellschaft haben? Und dass manche Menschen, die von einem wirklich schweren Schicksal getroffen wurden, all ihren Lebenswillen verloren haben und lieber sterben würden, als so wie sie z.B. durch einen Unfall gezwungen sind, weiterzuleben? Nein, dann wird dieses Buch das wohl ändern, denn genau um diese Themen geht es.

Der Autorin ist es gelungen die schwerwiegende und vielen Menschen oft auch unangenehme Thematik „Tetraplegie“ in einer liebevollen Geschichte um tiefe Gefühle und wahrer Liebe einzubetten und sie mit charakterstarken Persönlichkeiten zu besetzen.

Will wird zu Beginn der Geschichte als junger, geschäftstüchtiger Businessman bezeichnet, der genau weiß, was er im Leben erreichen möchte. Bis zu dem Punkt, an dem er wegen eines Unfalls komplett aus seinem normalen Leben gerissen wird. Im weiteren Verlauf der Geschichte erleben wir ihn eher als schlecht gelaunten, jungen Mann mit einem bissigen Humor. (Nur wer hinter seine Fassade blickt, weiß warum er sich so verhält und kann dies vielleicht nachvollziehen – ich persönlich konnte es, aber das sind persönliche Gründe, die in einer Rezension nichts zu suchen haben).

Lou ist eine sehr hilfsbereite, sympathische Persönlichkeit, die sich für nichts zu schade ist und gerne auch mal für andere aufopfert. Im Gegensatz zu Will, weiß sie noch nicht so wirklich wo ihr Platz im Leben sein soll und entwickelt sich im Laufe der Geschichte von einem tollpatschigem Mauerblümchen mit skurrilem Modegeschmack zur selbstbewussten Frau, die nach und nach persönliche Ziele entwickelt und diese in die Tat umsetzt.

Aber auch die anderen Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet und besitzen ihre Stärken und ihre Schwächen.

Lou wohnt zusammen mit ihrer Schwester Treena und deren kleinen Sohn Thomas bei ihren Eltern. Finanziell sieht es auch nicht gerade so prickelnd aus, da Lous Mutter nicht arbeiten gehen kann, weil sie sich um den pflegebedürftigen Opa kümmern muss. Auch ihr Vater steht kurz davor den Job zu verlieren und Treena verdient als Blumenverkäuferin auch nicht sonderlich viel… Als Lou dann ihren Job im Cafe verliert, weil dieses geschlossen werden soll, bleibt ihr nichts anderes über, als schnellst möglich wieder eine gut bezahlte Stelle anzunehmen. Kurz drauf findet sie sich im Hause der Familie Traynor wieder, wo sie sich als Pflegekraft um einen Rollstuhlfahrer, besser gesagt Tetraplegiker kümmern soll. Klingt zuerst leichter als es wirklich ist, denn der Job hält viele Herausforderungen für sie bereit und die täglichen Launen Wills vereinfachen die Situation keineswegs. Wie es Lou und Will dabei jedoch ergeht und was die beiden durchmachen, müsst ihr nun selber herausfinden, denn ich möchte euch nicht die Freude an dem Buch nehmen und hoffe ihr könnt euch dieser außergewöhnlichen Geschichte ebenso hingeben wie ich.

Der Titel „Ein ganzes halbes Jahr“ ist hervorragend gewählt, da er sich in der Geschichte wiederspiegelt und eine wichtige Rolle spielt. Auch die Covergestaltung ist gelungen. Die Farben Rot und Schwarz heben sich schön als Kontrast von dem weißen Hintergrund ab und auch die Schriftart der Überschrift in handschriftlicher Form ist mal etwas anderes als normale Druckbuchstaben und lässt schon wahre Emotionen vermuten. Auch das Sinnbild, der Frau die den Vogel frei lässt, dieser davon fliegt, gibt genau das wieder, dass man manchmal im Leben auch loslassen sollte, anstatt eisern an etwas festzuhalten.


Fazit:

„Ein ganzes halbes Jahr“ von Jojo Moyes ist eine herzergreifende, sehr bewegende und außergewöhnliche Liebesgeschichte, die den Leser zum Nachdenken anregt und u.a. gewaltige Emotionen hervorrufen kann. Wundervoll geschrieben, eingebettet in einfühlsame Szenen mit authentischen, liebevollen Charakteren! Einfach ein grandioses Meisterwerk der Gefühle und absolut empfehlenswert!



Anmerkung:

Mir persönlich ging das Buch sehr nahe, da ich mich selbst zum Teil in beiden Hauptprotagonisten wiederfinden konnte, aber auch die gesamte Situation hinsichtlich der Pflege einer geliebten Person bis zum Schluss durchgemacht habe und daher so einige Tränen geflossen sind und ich die Rezension so ewig lange vor mir hergeschoben habe, aus Angst nicht die richtigen Worte zu finden oder wieder nur zitternd hier zu sitzen. Aber letztendlich muss die Rezension ja mal nieder geschrieben werden, auch wenn die Worte vielleicht nicht so perfekt rüberkommen und ich zu viel Preis gebe – aber das Buch geht mir eben besonders nahe!

Vielen lieben Dank an LovelyBooks und den Rowohlt Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar!
(Leserunde)

1 Kommentar:

  1. Ich mag dieses Buch ebenfalls unheimlich und du hast seine ergreifende Intensität in deinen Worten sehr passend eingefangen, wie ich finde.

    Sonnige Stöbergrüße,
    Kora

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